Bei früheren Olympischen Spielen war der Deutsche Ruderverband (DRV) stets ein Medaillen-Garant. Aber diesmal ist kein deutsches Boot mit hundertprozentiger Gold-Aussicht zu finden.
Im olympischen Jahr war die Saison eher durchwachsen. Die deutschen Ruderer lieferten die schlechteste Weltcup-Bilanz ab, seitdem dieser Wettbewerb besteht. Böse Zungen prophezeien eine Olympia-Pleite, wie sie der DRV noch nicht erlebt hat. Sportdirektor Michael Müller sieht das anders: „Wir haben uns in einigen Klassen gut weiterentwickelt. Ziel bleiben vier bis sechs Medaillen in Peking.“
Gerade die Querelen um den Deutschland-Achter zeigen eine bedenkliche Entwicklung der vergangenen Jahre auf, in denen unsere Ruderer nach jahrzehntelanger Vorherrschaft aus der Weltelite verschwunden sind. Vor kurzem wurden sechs Weltmeister von 2006 aus dem Achter aussortiert. Das war eine Reaktion des DRV auf den mittelmäßigen Saisonstart des Paradebootes. Nun soll eine verjüngte Crew mit dem neuen Trainer Christian Viedt Medaillenchancen des DRV-Flagschiffes wahren. „In dieser Mannschaft steckt genug Grundsubstanz. Eine Medaille in Peking ist nicht ausgeschlossen“, erklärte Müller optimistisch.
Auch nach dem Ausstieg von Marcel Hacker im Einer beim Weltcup Mitte Juni in Luzern wegen einer angeblichen Magen- und Darminfektion kamen Gedanken auf, ob der Skuller überhaupt ausreichend fit für Olympia ist. Nach einer ernsten Aussprache mit der DRV-Spitze fing Hacker erst wieder richtig zu trainieren an.
Favoriten für den DRV sind die Europameisterinnen Lenka Wech aus Saarbrücken und Maren Derlien aus Hamburg im Zweier ohne Steuerfrau sowie der Frauen-Doppelvierer mit Kathrin Boron aus Potsdam. Auch der Leichtgewichts-Zweier mit Marie-Louise Dräger aus Rostock und Berit Carow aus Hamburg hat Medaillenchancen in Peking.