Die deutsche Schwimmerin Janne Schäfer hat am letzten Tag der Schwimm-Europameisterschaften in Eindhoven Gold über 50 Meter Brust gewonnen und dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) zu einem versöhnlichen Abschluss verholfen. Sascha Klein unterstrich mit Silber im Turmspringen die herausragende Form der deutschen Springer vor Olympia.
Schäfer siegte deutlich in einer Zeit von 31,08 Sekunden vor Julia Jefimowa aus Russland (31,41) und Mirna Jukic aus Österreich (31,59). Die Wolfsburgerin holte damit bei dieser EM nach Paul Biedermann, der über 200 Meter überraschend gewann, die zweite Goldmedaille für das kleine DSV-Team. “Ich freue mich sehr über diesen Titel. Jetzt hoffe ich, dass ich in drei Wochen in Berlin bei der deutschen Meisterschaft und Qualifikation für Olympia die Leistung auch auf 100 m bringen kann”, erklärte die Siegerin. Vierte wurde die Kölnerin Kerstin Vogel.
Sascha Klein musste sich einen Tag nach dem Synchron-Gold mit seinem Partner Patrick Hausding im Einzel vom Turm mit 487,60 Punkten gestern nur dem erst sage und schreibe 13 Jahre alten Briten Thomas Daley (491,95) geschlagen geben. “Leider hatte ich einen Patzer, deshalb hat es nicht ganz gereicht”, erklärte der Aachener nach seinem guten zweiten Platz. Dritter wurde der Italiener Francesco dell Uomo (481,30) und Hausding aus Berlin (464,95) landete auf dem fünften Platz.
Das DSV-Quartett zeigte dagegen am Ende der EM in der Lagenstaffel eine eher glanzlose Leistung. Helge Meeuw, Johannes Neumann, Benjamin Starke und Jens Thiele kamen in 3:41,03 Minuten nicht über einen neunten Rang hinaus und mussten im Finale tatenlos zusehen, wie Russland in 3:34,25 Minuten zum Europarekord schwamm.
Hier ein Video wie man mit 13 Jahren ganz lässig vom Zehnmeterturm springt:
Bei den 29. Schwimm-Europameisterschaften in Eindhoven holten sich der Berliner Patrick Hausding und Sascha Klein aus Aachen den EM-Titel im Synchronspringen vom Zehnmeterturm. Im Wettbewerb vom Dreimeterbrett gewann Katja Dieckow aus Halle/Saale Silber. Der französische Schwimmer Alain Bernard verbesserte einen Weltrekord nach dem anderen.
Die beiden Goldspringer waren nach ihrem Erfolg völlig aus dem Häuschen. “Die letzten Tage haben sich ganz schön gezogen, aber jetzt ist es ein großartiger Moment”, meinte Klein total erfreut. Mit 453,24 Punkten verwies das DSV-Erfolgsduo Wadim Kaptur/Alexander Warlamau aus Weißrussland (427,35) und Konstantin Chanbekow/Oleg Wikulow aus Russland (426,24) souverän auf die Plätze zwei und drei.
Dieckow ließ sich nach ihrer Bronzemedaille vom Ein-Meter-Brett auch nicht vom Ausfall der Technik aus der Ruhe bringen. Weil die Elektronik kurz ausfiel, werteten die Kampfrichter zwischendurch manuell. “Das war ein bisschen wie Blindflug. Ich wusste nicht, auf welchem Platz ich liege, aber das war auch egal, weil ich mich ohnehin immer auf mich konzentriere”, erklärte die Hallenserin und jubelte: “Für mich ist die Bilanz hervorragend.” Diekow musste sich mit 330,80 Punkten nur der Russin Julia Pachalina (347,40) geschlagen geben.
Der Star dieser EM ist aber Alain Bernard, ein muskelbepackter junge Franzose, der in Eindhoven die Schwimmwelt veränderte. In 47,60 Sekunden unterbot der 24-Jährige im Halbfinale über 100 Meter Freistil die fast acht Jahre alte Bestmarke des Niederländers Pieter van den Hoogenband, der erkrankt bei der Heim-EM fehlt. Im Finale unterbot er in 47,50 Sekunden seine erst einen Tag alte Bestmarke aus dem Halbfinale noch einmal um eine Zehntelsekunde und wurde souverän Europameister. Im Halbfinale über 50 Meter Freistil pulverisierte Bernard gestern gleich noch schnell den Weltrekord des Australiers Eamon Sullivan in 21,56 Sekunden um 6/100 auf 21,50. Mal sehen, was uns der Newcomer heute Abend im Finale für eine Leistung bietet.
Bei den Schwimm-Europameisterschaften in Eindhoven gewann Paul Biedermann überraschend die Goldmedaille über die 200 Freistil. Damit löschte der Deutsche in einer Zeit von 1:46,59 Minuten den 24 Jahre alten Rekord von Olympiasieger Michael Groß. Annett Gamm und Nora Subschinski sicherten sich ebenfalls Gold beim Turm-Synchronspringen. Die Olympia-Zweiten Tobias Schellenberg und Andreas Wels holten gemeinsam Silber vom Dreimeterbrett.
Mit dieser Meisterleistung schwamm der neue Europameister die Groß-Zeit von 1:47,44 Minuten vom Olympiasieg am 29. Juli 1984 in Los Angeles als ältesten deutschen Männer-Rekord in Grund und Boden. “Ich will die Peking-Qualifikation schaffen. Und dann schauen wir weiter”, äußerte sich der Hallenser in Richtung Olympia. Mit einem fulminanten Endspurt machte Biedermann aus einem Rückstand von 47/100 Sekunden bei der 150-Meter-Marke noch Gold, der Franzose Amaury Leveaux (1:46,99) wurde Zweiter. “Das hat so viel Spaß gemacht. Und auf den letzten 50 Metern ging mir nur der Rekord durch den Kopf”, meinte der Zivildienstleistende. Davor habe er sich mit den 1:47,44 von Groß nicht intensiv beschäftigt, merkte er an.
Annett Gamm und Nora Subschinski bleiben Europas überragende Turm-Synchronspringerinnen. Das deutsche Siegerpaar zog mit dem letzten Sprung noch um 2,43 Zähler an ihren ukrainischen Herausforderinnen vorbei. “Die Freude ist riesengroß”, sagte die 30-jährige Gamm. elf Jahre jüngere Nora Subschinski war “so nervös wie selten. Ich dachte zwischendurch, ich brauche eine Beruhigungspille.” Die WM-Dritten siegten mit 336,63 Punkten vor den Ukrainerinnen Alina Tschaplenko/Julia Prokoptschuk (334,20).
Tobias Schellenberg und Andreas Wels verpassten vom 3-m-Brett zwar Gold, konnten sich aber mit Silber trösten. Die WM-Dritten unterlagen mit 413,94 Punkten nur den Russen Juri Kunakow und Dimitri Sautin (440,76). “Ich denke, das können wir besser”, meinte der 29-jährige Schellenberg, der sich und seinen Sprungpartner für Olympia trotz des Titelverlustes “auf dem richtigen Weg” sieht.
Für die erste DSV-Medaille sorgten bei den Schwimm-Europameisterschaften im niederländischen Eindhoven im Synchronspringen vom Dreimeterbrett Heike Fischer und Ditte Kotzian. Das Synchronpaar aus Leipzig und Berlin bewies starke Nerven und gewann Silber. Highlight des ersten Tages war der Weltrekord der niederländischen Frauen-Staffel über 4 x 100 Meter Freistil.
Lediglich dem russischen Sprungpaar Julia Pachalina/Anastasia Posdnjakowa mussten sich die deutschen Sprungdamen knapp geschlagen geben. Die Berlinerin Kotzian zeigte sich erfreut: „Das war sehr gut, das war super.” Ihre Leipziger Partnerin Fischer meinte sogar: “Das war der erste Meilenstein auf dem Weg zu den Olympischen Spielen nach Peking.”
In allen fünf Durchgängen lagen die Deutschen auf dem zweiten Rang hinter den frischen russischenEuropameisterinnen. Rang Drei belegten am Ende die Ukrainerinnen Jelena Fedorowa/Alewtina Koroljowa. Für Fischer und Kotzian war es das dritte Silber nachden zweiten Plätzen bei der EM 2006 in Budapest und der WM 2007 in Melbourne.
Herausragend war am ersten Wettkampftag der EM der Weltrekord der niederländischen Frauen über 4 x 100 Meter Freistil. Mit einer Fabelzeit von 3:33,62 Minuten pulverisierten sie die alte Bestmarke des deutschen Quartetts von Budapest 2006 (3:35,22). Auch der Serbe Milorad Cavic sorgte für eine beachtliche Leistung, der schon im Halbfinale über 50 m Schmetterling Europarekord schwamm.
Unsere Schwimmer haben dagegen Anlaufschwierigkeiten in Eindhoven. Im 50-Meter-Becken war von den Deutschen nichts zu sehen. Die Finals und Halbfinals vom Dienstag liefen ohne DSV-Beteiligung ab. Fünf Monate vor Peking holt sich nur die Konkurrenz die nötige Wettkampfhärte für die 29. Olympischen Spiele. Hoffen wir, dass die DSV-Schwimmer die versilberte Leistung des Sprungpaars als Initialzündung für die restliche EM sehen.